Der grüne Haken, der nichts gemessen hat

Vier meiner eigenen Prüfungen meldeten diesen Sommer «in Ordnung», ohne etwas gemessen zu haben. Woran Sie das bei Ihrem Wartungsbericht erkennen.

4eigene Prüfungen, die grün meldeten und nichts gemessen hatten
8 Tagelagen zwischen dem ersten und dem letzten dieser Fälle
14 TageAufbewahrung meiner Sicherungen, auf derselben Maschine

Zwischen dem 24. und dem 31. August habe ich vier eigene Prüfungen dabei erwischt, wie sie «in Ordnung» meldeten, ohne etwas gemessen zu haben. Nicht eine, vier. In acht Tagen, in einem System, das ich selbst gebaut habe und jeden Tag benutze.

Das ist nicht der Fehler «die Prüfung hat etwas übersehen». Es ist der andere, unangenehmere: die Prüfung hat gar nicht hingeschaut und trotzdem Entwarnung gegeben.

Warum ein falsches Rot harmlos ist und ein falsches Grün nicht

Ein Fehlalarm ist lästig. Sie schauen nach, es ist nichts, Sie ärgern sich zehn Minuten. Danach ist die Sache gegessen.

Ein falsches Grün nimmt Ihnen die Frage weg. Niemand schaut dort nochmals hin, wo schon steht, dass alles in Ordnung sei. Es ist die einzige Sorte Fehler, die mit der Zeit stärker wird: je länger der Haken dasteht, desto selbstverständlicher stützt man sich darauf.

Die vier Fälle, der Reihe nach

Die Dokumentenprüfung, 24. August. Sie öffnet jedes Dokument, das meine Website ausliefert, liest den Text darin und bricht ab, wenn eine Bankverbindung darin steht. Sie stützte sich auf ein Hilfsprogramm, das PDF in Text verwandelt. Bei einem PDF, das dieses Programm nicht versteht, meldet es keinen Fehler. Es gibt leeren Text zurück und sagt, es sei gut gegangen. Die Prüfung las also nichts, fand folglich keine Bankverbindung und schrieb «✓ Dokumente sauber». Genau in jenen Tagen lag eine Offerte von mir offen im Netz, mit zwei IBAN darin. Die Geschichte steht hier.

Die Suchindex-Prüfung, 31. August. Geschützte Seiten dürfen nicht in der Suchfunktion der Website auftauchen. Die Prüfung sah die Index-Dateien durch, fand nichts Geschütztes und meldete: «✓ Suchindex sauber: 0 Seiten indexiert». Die Zahl stand in der Erfolgsmeldung, und niemand las sie. Null indexierte Seiten heisst, dass gar kein Index vor ihr lag. Ein leeres Verzeichnis, ein geändertes Dateiformat, ein Adressformat ohne führenden Schrägstrich: jedes davon hätte dieselbe grüne Zeile ergeben wie ein wirklich geprüfter Index. Der Normalbestand lag damals bei 134 Seiten.

Die Tabellen-Prüfung. Sie hält zwei Listen synchron, die zwangsläufig doppelt existieren. Ihre Meldung lautete «✓ Themen synchron: 0 Schlüssel». Der Ausdruck, mit dem sie die Tabellen aus den Dateien holt, griff ins Leere. Verglichen wurden zwei leere Listen, und zwei leere Listen sind immer gleich.

Der Formulartest, 31. August. Der lehrreichste von allen. Er füllt mein Kontaktformular aus und schickt es ab, täglich ohne Mailversand, einmal pro Woche mit. Das Formular hat eine Bot-Abwehr, und die wirft eine verdächtige Einsendung still weg, antwortet aber freundlich mit «Danke, Ihre Nachricht ist angekommen». Genau so soll es sein, sonst weiss ein Bot, woran er ist. Nur schickte mein Test zwei Angaben nicht mit, die ein echter Browser mitschickt. Die Folge: der wöchentliche Lauf, der die Zustellung bis ins Postfach beweisen soll, meldete grün, während seine Testnachricht jedes Mal in der Ablage für Bots landete. Und der tägliche Lauf meldete Alarm, aber aus dem falschen Grund. Gefunden hat das keine Sichtprüfung, sondern eine Zeile in einem Protokoll auf dem Server: dort stand die Testnachricht mit dem Vermerk «bot».

Übersetzt auf Ihren Betrieb

Sie bauen keine Prüfprogramme. Sie bekommen Berichte, und die sehen fast immer nach Ordnung aus. Fünf Stellen, an denen dieselbe Blindheit auftritt:

  • Der Wartungsbericht. «12 Updates eingespielt, keine Fehler.» Die Frage dazu lautet: Hat danach jemand die Website aufgerufen? Ein Update kann eine Seite umwerfen, und der Bericht über das Update weiss davon nichts. Bei meiner eigenen Wartung gehört der Blick auf die Seite nach dem Update dazu, weil der Rest sonst nur Buchhaltung wäre.
  • Der Backup-Haken. «Sicherung erfolgreich» heisst: ein Programm ist gelaufen und hat eine Datei geschrieben. Es heisst nicht, dass in dieser Datei etwas Brauchbares steht, und schon gar nicht, dass sich daraus eine Website wiederherstellen lässt.
  • Das Kontaktformular. Siehe oben. Die Dankeseite ist eine Höflichkeit, kein Zustellbeleg.
  • Die Besucherzahlen. Wenn der Zählcode auf drei von zwölf Seiten fehlt, fällt keine Kurve auf null. Sie liegt einfach tiefer. Und tiefer sieht aus wie ein schwacher Monat, nicht wie ein Messfehler.
  • Der kostenlose Website-Check aus dem Netz. «Alles im grünen Bereich.» Die meisten dieser Werkzeuge messen die Startseite und schliessen daraus auf die Website. Mein eigener Website-Check sagt Ihnen deshalb dazu, was er angesehen hat.

Die eine Frage, die Sie stellen können

Sie müssen dafür nichts Technisches verstehen. Es genügt, die Frage zu wechseln. Nicht «Ist alles in Ordnung», sondern:

Was hat diese Prüfung gemessen, und woran hätte sie gemerkt, dass sie nichts gemessen hat?

Wer eine Website betreut, kann das beantworten. Und die brauchbare Antwort enthält immer eine Zahl daneben. «0 Fehler gefunden» ist keine Aussage. «0 Fehler auf 134 geprüften Seiten» ist eine. Diese zweite Zahl ist der ganze Unterschied zwischen einer Messung und einem Programm, das gelaufen ist.

Meine Prüfungen sagen heute alle, wie viel sie angefasst haben, und brechen ab, wenn es zu wenig ist. Die Suchindex-Prüfung verlangt mindestens 40 gefundene Seiten, bevor ihr Urteil überhaupt gilt. Der Boden steht bewusst tief: er soll den Zusammenbruch abfangen, nicht das Wachsen der Website kommentieren.

Drei Gegenproben, die Sie selbst machen können

Erstens, das Backup. Einmal im Jahr, eine halbe Stunde. Fragen Sie nicht, ob die Sicherung läuft. Bitten Sie darum: «Stellen Sie mir bitte den Stand von vorletztem Dienstag in einer Testumgebung her und sagen Sie mir, wie lange es gedauert hat.» Erst diese Antwort ist ein Backup. Alles davor ist eine Datei.

Zweitens, das Formular. Zehn Minuten, vierteljährlich. Schicken Sie sich über Ihr Mobilnetz, nicht aus dem Büro-WLAN, eine Nachricht mit einem Codewort darin. Dann schauen Sie ins Postfach, auch in den Spam-Ordner. Kommt sie nicht an, haben Sie soeben herausgefunden, wie viele Anfragen der letzten Monate ebenfalls nicht angekommen sind. Das ist der Test, der sich am meisten lohnt, weil ein ausgefallenes Formular niemandem auffällt: es ruft ja niemand an, um zu sagen, dass er nicht geschrieben hat.

Drittens, die Zahlen. Zehn Minuten. Öffnen Sie Ihre Besucherstatistik und suchen Sie darin Ihre fünf wichtigsten Seiten einzeln. Fehlt eine ganz, wird sie nicht gezählt.

Der dritte Zustand heisst grau

In meiner eigenen Startliste für diese Website gibt es nicht zwei Zustände, sondern drei: grün für gemessen und in Ordnung, rot für gemessen und offen, grau für nicht gemessen. Grau zählt nie als erledigt und wird eigens ausgewiesen.

Das klingt nach Erbsenzählerei, bis man die vier Fälle oben nebeneinander legt. Jeder einzelne davon wäre in einem System mit zwei Zuständen als grün durchgegangen. Nicht gemessen ist nicht grün.

Wann Sie das alles nicht brauchen

Nicht jede Website rechtfertigt diesen Aufwand. Eine Visitenkarte mit fünf Seiten, ohne Formular, ohne Shop, ohne Anmeldung: dort genügt der Wiederherstellungstest einmal im Jahr, und die Besucherzahlen dürfen Ihnen herzlich egal sein. Wenn die Seite ausfällt, sehen Sie es beim nächsten Aufruf selbst.

Ernst wird es, sobald etwas über Ihre Website hereinkommt: eine Anfrage, eine Bestellung, eine Anmeldung zu einem Kurs. Ausbleibender Eingang ist das einzige Problem, das sich nicht von selbst meldet. Genau dort braucht es eine Messung statt eines Berichts.

Und mein eigenes Backup

Zum Schluss der Teil, der mich betrifft, und er ist ein Beispiel für genau das, wovon dieser Artikel handelt. Meine nächtliche Sicherung läuft seit Monaten und meldet jeden Morgen «Backup ok». Eine zweite Kopie holte ich auf meinen eigenen Rechner, aber von Hand, und als ich nachgeschaut habe, war sie sechs Tage alt.

Schlimmer war das, was ich beim Reparieren fand. Das Skript, das die Kopie holt, brach seit einiger Zeit mitten im Lauf ab, und zwar ausgerechnet vor der Probe, die das Archiv öffnet und nachsieht, ob die Datenbank darin lesbar ist. Ohne diese Probe ist eine Sicherung eine Vermutung. Von aussen sah der Lauf aus wie einer, der einfach kurz war.

Jetzt läuft die Kopie viermal täglich, und die Probe sagt, was sie soll: das Archiv ist lesbar und die Datenbank darin öffnet. Das ist der Unterschied zwischen «Backup ok» und einer Sicherung, auf die ich mich verlasse. Was weiterhin fehlt, ist ein dritter Ort ausserhalb meiner Wohnung, und solange der fehlt, steht davon auf dieser Website kein Wort.

Häufige Fragen

Was frage ich meinen Webbetreuer, wenn ich den Bericht nicht verstehe?

Eine Frage genügt: Was hat diese Prüfung gemessen, und woran hätte sie gemerkt, dass sie nichts gemessen hat? Wer eine Website betreut, kann das beantworten. Die brauchbare Antwort enthält eine Zahl, zum Beispiel wie viele Seiten geprüft wurden.

Wie teste ich, ob mein Backup wirklich funktioniert?

Nicht mit einer Frage, sondern mit einer Bitte: «Bitte stellen Sie mir den Stand von vorletztem Dienstag in einer Testumgebung her und sagen Sie mir, wie lange es gedauert hat.» Erst diese Antwort ist ein Backup. Einmal im Jahr reicht für die meisten KMU.

Beweist die Dankeseite nach dem Kontaktformular, dass die Nachricht angekommen ist?

Nein. Viele Formulare antworten aus gutem Grund freundlich, auch wenn sie eine Einsendung als Bot einstufen und wegwerfen. Der Beleg ist die Nachricht in Ihrem Postfach, nicht der Text auf dem Bildschirm.

Sind kostenlose Website-Checks aus dem Netz wertlos?

Nicht wertlos, aber begrenzt. Die meisten messen die Startseite und schliessen daraus auf die ganze Website. Das ist brauchbar als erster Hinweis. Es ersetzt keine Prüfung, die sagt, wie viele Seiten sie angesehen hat.

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