Website erstellen lassen: was Sie liefern müssen

Ein Kunde schickte mir gut 900 Wörter, sechs Bilder und über vierzig Anmerkungen. Es reichte trotzdem nicht. Was ein Webprojekt an Material braucht, konkret.

gut 900 WörterText, den ein Kunde für seine ganze Website geliefert hat
keine 600 pxBreite des gelieferten Teamfotos. Nötig wären rund 2400
5 von 6Porträts waren geschrieben. Das sechste fehlte ganz

Im Frühling hat mir ein Kunde seine Unterlagen geschickt, und zwar ordentlich: ein Textdokument mit gut 900 Wörtern für die ganze Website, sechs eingebettete Bilder, dazu einen ausgedruckten Überarbeitungsvorschlag mit über vierzig handschriftlichen Anmerkungen zur bestehenden Seite. Das ist deutlich mehr, als die meisten liefern.

Und es reichte trotzdem nicht.

Ich schreibe das nicht als Klage. Der Betrieb hat alles geschickt, was er hatte. Nur ist «alles, was da ist» und «alles, was eine Website braucht» selten dasselbe, und die Lücke dazwischen sieht man erst, wenn jemand versucht, daraus eine Seite zu bauen. Damit das nicht erst im dritten Monat auffällt, mache ich es heute am ersten Tag.

Zuerst messen, nicht lesen

Ich lese die Unterlagen inzwischen nicht als Erstes. Ich messe sie. Jedes Bild bekommt seine Pixelmasse notiert, jeder Textblock seine Wortzahl, jede genannte Person einen Haken oder keinen. Das dauert eine halbe Stunde und beantwortet die Frage, die sonst zwei Monate offen bleibt.

Bei diesem Kunden sah das Ergebnis so aus. Das grösste gelieferte Bild war knapp 1300 Pixel breit, eine Aussenaufnahme des Betriebs. Das Teamfoto, sechs Personen, lag bei keinen 600 Pixel. Drei weitere Bilder lagen um die 500. Für ein Kopfbild über die volle Breite braucht ein heutiger Bildschirm rund 2400 Pixel. Das Teamfoto hatte also nicht einmal ein Viertel davon.

Dazu trug es ein Wasserzeichen des Fotografen. Das ist kein Ärgernis, sondern eine nützliche Information: Sie haben nicht das Original, Sie haben die Vorschau, die der Fotograf zur Auswahl geschickt hat. Das Original liegt in seinem Archiv, und dort ist es meistens mit einem Anruf zu holen. Diese Frage ist in zehn Minuten geklärt und spart Ihnen unter Umständen ein ganzes Shooting.

Die fünf Dinge, an denen es fast immer hängt

Texte. Rechnen Sie mit 250 bis 400 Wörtern pro Unterseite, für Startseite und Leistungsseiten eher mehr. Gut 900 Wörter für eine vollständige Firmenwebsite sind ein brauchbarer Rohstoff, aber kein fertiger Inhalt. Entscheidender als die Menge ist die Vollständigkeit: Bei diesem Kunden waren fünf von sechs Porträts geschrieben, das sechste fehlte ganz, Name und Funktion standen aber schon da. Auf der fertigen Seite ist das ein Loch, das jeder Besucher sieht, und es ist immer dieselbe Person, die es dann eilig füllen muss.

Bilder. Zwei Zahlen genügen: rund 2400 Pixel Breite für ein Bild über die volle Breite, rund 1200 für ein Bild über die halbe. Schicken Sie die Originaldateien, auch wenn sie gross sind. Verkleinern und fürs Web aufbereiten ist meine Arbeit, vergrössern kann niemand. Von jeder Person im Team ein Einzelporträt, nicht aus dem Gruppenbild ausgeschnitten. Und mehr echte Bilder aus dem Betrieb, als Ihnen nötig erscheint. Was für Sie Alltag ist, ist für Aussenstehende das Interessanteste an Ihrer Firma. Ob dafür Handy-Fotos genügen oder ein Termin nötig ist, habe ich hier durchgerechnet.

Kundenlogos und Stimmen. Hier ein Muster, das ich immer wieder sehe. Im Textdokument stand eine Notiz an sich selbst: «Logo von allen einfordern und ein Statement für die Homepage.» Elf Kundennamen standen im Text. Gesammelt war zum Zeitpunkt der Übergabe nichts. Das ist keine Nachlässigkeit. Eine Aufgabe, die aus elf einzelnen Anfragen besteht und weder ein Datum noch einen Namen trägt, wird nie erledigt, sie wandert nur von Sitzung zu Sitzung. Wenn Sie diese Sektion auf Ihrer Seite haben wollen, geben Sie ihr heute beides: eine Person und ein Datum. Elf Mails sind zwanzig Minuten Arbeit, und um die Vorlage dafür dürfen Sie ruhig Ihren Webbetreuer bitten.

Das Rechtliche. Impressum, Datenschutzerklärung, AGB. Klären Sie einmal ausdrücklich, wer was schreibt, denn hier nehmen beide Seiten gern stillschweigend an, es sei die andere. Bei mir schreibe ich Impressum und Datenschutzerklärung und passe sie an den Betrieb an. Die AGB liefern Sie, weil dort Ihre Geschäftsbedingungen stehen und nicht meine. Im Material dieses Kunden fehlte die Datenschutzerklärung ganz, das Impressum kam nirgends vor, und die AGB lagen als Entwurf ohne Freigabe. Das ist völlig normal. Es ist nur besser, wenn in einer Zeile steht, wer es bis wann macht.

Die Zugänge. Domain, Hosting, Mailkonten, Google-Unternehmensprofil. Die Frage «Wem gehört Ihre Domain, und wer kann sie verschieben?» beantworten erstaunlich wenige Betriebe aus dem Stand. Suchen Sie das heraus, bevor der Umschalttag kommt, nicht an ihm. Wenn die Antwort «das hat damals der Neffe gemacht» lautet, ist das kein Drama, aber es braucht zwei Wochen Vorlauf statt zwei Stunden.

Die Widersprüche sieht nur der, der es setzen muss

Beim Durchgehen fallen Dinge auf, die im gewachsenen Firmendokument seit Jahren niemandem mehr aufgefallen sind. In diesem Fall war eine Person in der Überschrift als Fachspezialistin geführt, während der Text darunter sagte, sie sei im Verwaltungsrat. Mitten im Fliesstext standen zwei unfertige Notizen, eine davon nur «Bild 22». Und die Festnetznummer im Kontaktteil sollte laut einer eigenen Anmerkung wegfallen, stand aber im Textdokument noch drin.

Nichts davon ist ein Vorwurf. Es ist der normale Zustand eines Dokuments, an dem mehrere Leute über Jahre gearbeitet haben. Es ist nur der Grund, warum ich Inhalte nicht einfach übernehme, sondern durchgehe und nachfrage. Jede dieser Stellen braucht eine Entscheidung, und die kann ich nicht für Sie treffen.

Was passiert, wenn etwas fehlt

Nichts Dramatisches, sofern es vorher abgemacht ist. Ich setze an die betreffende Stelle einen sichtbaren Platzhalter, damit nichts untergeht, und baue weiter. Was später kommt, kommt später hinein. Fehlende Inhalte blockieren den Start nicht, das steht so auch in meinen Offerten.

Eines verschiebt sich aber wirklich, und das ist der Termin. Die Frist läuft erst mit den Inhalten. In meinen Offerten heisst es «Vorschau innert vier Wochen, ab Auftrag und Lieferung der Inhalte», und der zweite Teil dieses Satzes ist der wichtige. Ein Termin ohne Material ist ein Wunsch. Was in meinem Festpreis enthalten ist und was Sie beisteuern, steht auf der Seite zum Webdesign.

Die Liste zum Abhaken

Bevor ein Projekt startet, bringen Sie diese acht Punkte auf ein Blatt:

  • Texte je Seite, mit Angabe, was noch fehlt und wer es schreibt
  • Alle Personen, die genannt werden, mit Funktion und Text
  • Bilder als Originaldateien, rund 2400 Pixel breit für die grossen Motive
  • Einzelporträts aller Personen, die auf die Seite sollen
  • Logo als Originaldatei mit freiem Hintergrund, nicht aus einer Präsentation kopiert
  • Kundenlogos und Zitate, mit einer Person und einem Datum dahinter
  • Impressum, Datenschutzerklärung, AGB: wer schreibt was bis wann
  • Zugänge zu Domain, Hosting, Mail und Google-Unternehmensprofil

Wann es viel weniger braucht

Dieses Programm gehört zu einem Betrieb mit mehreren Personen, Referenzkunden und mehreren Leistungen. Ein Einzelunternehmen ohne Team und ohne Referenzliste kommt mit rund 400 Wörtern, zehn guten Handy-Fotos und einer klaren Preisangabe schneller ans Ziel als mit einem halben Jahr Materialsammlung. Weniger Material heisst dann nicht weniger Website. Es heisst früher online, und der Rest wächst nach.

Häufige Fragen

Wie viel Text braucht eine Website wirklich?

Als Faustregel 250 bis 400 Wörter pro Unterseite, für Startseite und Leistungsseiten eher mehr. Wichtiger als die Menge ist die Vollständigkeit: eine Person, deren Name dasteht und deren Text fehlt, ist auf der fertigen Seite ein sichtbares Loch.

Wie gross müssen Bilder für eine Website sein?

Rund 2400 Pixel Breite für ein Bild über die volle Bildschirmbreite, rund 1200 für ein Bild über die halbe. Kleiner geht nicht sinnvoll: ein Bild lässt sich verkleinern, aber nicht vergrössern. Die Datei darf gross sein, das Verkleinern und Komprimieren übernehme ich.

Was passiert, wenn ich einzelne Inhalte nicht rechtzeitig liefere?

Nichts Dramatisches, sofern es vorher abgemacht ist. Ich setze an die Stelle einen sichtbaren Platzhalter und baue weiter, das Fehlende kommt später hinein. Der Termin für die Vorschau verschiebt sich aber, denn er läuft ab Auftrag und Lieferung der Inhalte.

Muss ich Impressum und Datenschutzerklärung selbst schreiben?

Bei mir nicht. Impressum und Datenschutzerklärung schreibe ich und passe sie an Ihren Betrieb an. Die AGB liefern Sie, weil dort Ihre Geschäftsbedingungen stehen und nicht meine. Klären Sie diese Aufteilung mit jedem Anbieter einmal ausdrücklich, sie wird oft stillschweigend anders angenommen.

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