Website-Relaunch ohne Ranking-Verlust

Wie ein Website-Relaunch gelingt, ohne die Google-Platzierungen zu verlieren: URL-Mapping, 301-Weiterleitungen, Monitoring und die häufigsten Fehler.

rund 90 %Marktanteil von Google bei der Suche in der Schweiz
1:1Jede alte URL braucht eine Weiterleitung auf die neue

Verliere ich beim Relaunch meine Google-Rankings?

Nein, wenn Sie es sauber machen. Rankings überleben einen Website-Relaunch, sofern jede alte URL per 301 dauerhaft auf ihre neue Adresse weiterleitet und die Inhalte sowie die Struktur weitgehend erhalten bleiben. Google vererbt die aufgebaute Relevanz dann von der alten auf die neue Seite. Die gefürchteten Abstürze nach einem Relaunch entstehen fast immer durch genau einen Fehler: vergessene oder falsch gesetzte Weiterleitungen. Das neue Design ist dabei zweitrangig, die Vorarbeit an den URLs entscheidet.

Ich schreibe das auf, weil ich regelmässig Anfragen von Betrieben bekomme, die nach einem Relaunch plötzlich weniger Anfragen über Google erhalten. Das lässt sich fast immer verhindern, wenn man vorher die richtigen Schritte geht.

Warum ist ein Relaunch überhaupt riskant?

Google merkt sich nicht “Ihre Firma”, sondern einzelne Adressen, also URLs. Wenn Ihre Seite zur Leistung “Sanierung” über Jahre auf ihre-firma.ch/leistungen/sanierung lag und dort gut platziert war, dann hängt diese Platzierung an genau dieser Adresse. Beim Relaunch ändern sich solche Adressen oft, ohne dass es jemandem auffällt. Aus /leistungen/sanierung wird vielleicht /angebot/sanierungen oder die Seite verschwindet ganz.

Für Google sieht das so aus: die alte Adresse liefert nichts mehr (Fehler 404), und die neue Adresse ist eine fremde Seite, die er erst neu einordnen muss. Die ganze über Jahre aufgebaute Relevanz hängt dann in der Luft. Das ist der Moment, in dem Rankings kippen.

Dazu kommt: Andere Websites verlinken auf Ihre alten Adressen, ein Branchenverzeichnis, ein Partner, ein Zeitungsartikel. Diese Links zeigen nach dem Relaunch ins Leere, wenn die alte Adresse nicht weiterleitet. Auch diese externen Verweise sind ein Teil dessen, was Ihre Platzierung trägt. Sie wollen nichts davon verlieren.

Der sichere Ablauf

Ich gehe bei jedem Relaunch dieselben Schritte durch, und zwar in dieser Reihenfolge. Das Meiste davon passiert, bevor die neue Seite überhaupt online geht.

1. Alle alten URLs erfassen

Zuerst brauche ich eine vollständige Liste, welche Adressen die alte Seite hat und welche davon Besucher bringen. Die Quellen dafür sind die bestehende XML-Sitemap, die Google Search Console (welche Seiten ranken und Klicks bringen) und ein Crawl der alten Seite mit einem Tool wie dem Screaming Frog. So sehe ich nicht nur alle Seiten, sondern auch, welche überhaupt Wert haben. Eine Seite, die seit Jahren keine Besucher und keine Links hat, muss ich nicht gleich behandeln wie die Top-Seite.

2. Ein 1:1-Mapping alt nach neu

Das ist der Kern. Für jede alte URL halte ich in einer einfachen Tabelle fest, wohin sie in der neuen Struktur zeigt. Eine Spalte alt, eine Spalte neu, fertig.

Alte URLNeue URLWeiterleitung
/leistungen/sanierung/angebot/sanierungen301
/ueber-uns/team301
/blog/alter-beitrag/blog/neuer-beitrag301
/alte-aktion-2022/angebot301 (auf passende Seite)

Wenn eine alte Seite ersatzlos wegfällt, leite ich sie nicht stur auf die Startseite, sondern auf die thematisch nächste neue Seite. Eine Sanierungs-Seite zeigt auf die neue Angebots-Übersicht, nicht ins Leere und nicht auf etwas Beliebiges. Das ist Handarbeit, und sie zahlt sich aus.

3. 301-Weiterleitungen einrichten

Erst jetzt kommt die Technik. Jede Zeile aus der Tabelle wird zu einer echten 301-Weiterleitung. Wo die liegt, hängt vom System ab: bei WordPress oft in einem Plugin oder in der .htaccess, bei einer massgeschneiderten Seite direkt in der Server-Konfiguration. Wichtig ist nur, dass es eine 301 ist (dauerhaft umgezogen) und keine 302 (nur vorübergehend), denn nur die 301 überträgt die Relevanz. Ob WordPress oder eine eigene Lösung besser zu Ihnen passt, habe ich in WordPress oder massgeschneidert gegenübergestellt.

4. Titel, Meta-Texte und Inhalte mitnehmen

Eine Seite, die gut rankt, rankt wegen ihres Inhalts. Wenn ich beim Relaunch die Texte radikal kürze oder den Seitentitel und die Meta-Beschreibung neu erfinde, nehme ich Google genau das weg, wofür es die Seite gut platziert hat. Ich übernehme darum bewährte Titel und Inhalte und verbessere sie behutsam, statt alles über Bord zu werfen. Frischer Text ist gut, ein Kahlschlag nicht.

Im neuen Aufbau müssen die internen Links auf die neuen Adressen zeigen, nicht über den Umweg der Weiterleitung. Jeder Link, der erst durch eine 301 läuft, ist eine kleine Bremse. Dazu prüfe ich die Canonical-Tags: jede Seite soll auf sich selbst verweisen, sonst sortiert Google sie womöglich aus. Das ist ein häufiger, leiser Fehler.

6. Sitemap neu einreichen

Nach dem Go-Live erzeuge ich die neue XML-Sitemap und reiche sie in der Search Console ein. So findet Google die neue Struktur schneller, statt sich Seite für Seite durchzuhangeln.

Nach dem Go-Live: beobachten und nachziehen

Mit dem Aufschalten ist der Relaunch nicht abgeschlossen, er geht in eine Beobachtungsphase über. In den ersten Wochen schaue ich regelmässig in die Google Search Console:

  • Abdeckung und Indexierung. Werden die neuen Seiten erfasst? Tauchen plötzlich viele “nicht gefunden” auf?
  • Crawl-Fehler und 404. Jede 404, die in der Search Console auftaucht, ist eine vergessene Adresse. Die ziehe ich mit einer nachträglichen 301 nach. Auch nach guter Vorbereitung tauchen ein paar auf, das ist normal.
  • Rankings und Klicks. Bricht eine wichtige Seite weg, gehe ich dort gezielt der Ursache nach, statt zu warten.

Das ist auch der Moment, in dem ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil zusätzlich absichert: lokale Sichtbarkeit hängt nicht allein an der Website, und ein aktuelles Profil fängt einen Teil des kurzfristigen Schwankens auf.

Ehrlich gesagt: ein kleines Schwanken in den ersten zwei bis vier Wochen ist auch bei sauberer Arbeit normal. Google muss die neue Struktur erst wieder erfassen. Wer das weiss, gerät nicht in Panik und reisst nicht vorschnell etwas um. Wichtig ist der Trend über mehrere Wochen, nicht der einzelne Tag.

Die häufigsten Fehler

Fast alle Ranking-Verluste nach einem Relaunch lassen sich auf eine kleine Liste von Fehlern zurückführen. Diese sehe ich immer wieder:

  • Gar keine Weiterleitungen. Die neue Seite geht live, die alten Adressen liefern 404. Der schwerste und leider häufigste Fehler.
  • Pauschal alles auf die Startseite leiten. Funktioniert technisch, hilft aber kaum. Google behandelt eine Weiterleitung auf eine unpassende Seite oft wie einen 404. Jede Seite gehört auf ihr thematisches Gegenstück.
  • Inhalte radikal gekürzt. Aus zwölf inhaltsstarken Seiten werden drei knappe. Damit verschwindet genau der Text, mit dem die Seite rankte.
  • noindex aus der Testphase vergessen. Während des Baus steht die neue Seite oft auf “nicht indexieren”. Bleibt diese Einstellung beim Go-Live drin, fällt die ganze Website aus dem Index. Ein Klassiker mit grosser Wirkung.
  • Bild-URLs gebrochen. Wenn sich die Adressen der Bilder ändern und nicht weiterleiten, verlieren Sie Treffer in der Google-Bildersuche, was bei manchen Branchen spürbar ist.
  • 302 statt 301. Eine temporäre Weiterleitung signalisiert Google, der Umzug sei nicht endgültig. Die Relevanz bleibt dann an der alten Adresse hängen.

Was das kostet und wann sich der Aufwand lohnt

Der Aufwand für die Relaunch-Absicherung hängt an der Zahl der Seiten und der alten Adressen. Bei einer kleinen Visitenkarten-Website mit einer Handvoll Seiten ist das überschaubar und im Projekt enthalten. Bei einer gewachsenen Seite mit Hunderten von Adressen und vielen alten Kampagnenseiten wird das Mapping zur eigentlichen Arbeit. Zur Einordnung: eine neue Website beginnt bei mir bei CHF 3’500, ein grösserer Auftritt liegt bei CHF 7’500 bis 12’000. Die saubere Weiterleitungs-Arbeit gehört für mich zum Projekt dazu und ist keine teure Zusatzoption. Was die Spannen umfassen, habe ich in Was kostet eine Website in der Schweiz aufgeschlüsselt.

Wer eine Seite betreibt, die kaum über Google gefunden wird, etwa weil die Kunden ausschliesslich über Empfehlung oder Google Maps kommen, muss sich um den Ranking-Verlust weniger Sorgen machen. Hier ist der Relaunch entspannter, und ein wenig 301-Hygiene reicht. Je mehr Ihres Geschäfts aber an der organischen Suche hängt, desto wichtiger wird die Vorarbeit. In der Schweiz läuft rund 90 Prozent der Suche über Google, entsprechend viel steht bei einer gut rankenden Seite auf dem Spiel.

Wenn ein Relaunch ansteht und Sie unsicher sind, wie Sie die bestehende Sichtbarkeit retten, schauen Sie auf die SEO-Seite oder melden Sie sich kurz über das Kontaktformular. Ich schaue mir die alte Struktur an und sage Ihnen, wo der Aufwand wirklich liegt. Ich antworte innert einem Werktag (Mo bis Fr).

Häufige Fragen

Verliere ich beim Relaunch meine Google-Rankings?

Nicht, wenn die Vorarbeit stimmt. Solange jede alte URL per 301 auf ihre neue Adresse weiterleitet und die Inhalte erhalten bleiben, vererbt sich die Platzierung auf die neue Seite. Verluste entstehen fast immer durch vergessene Weiterleitungen oder radikal gekürzte Texte.

Was sind 301-Weiterleitungen?

Eine 301-Weiterleitung sagt Google und dem Browser: diese Seite ist dauerhaft umgezogen, hier ist die neue Adresse. Im Gegensatz zur temporären 302-Weiterleitung überträgt eine 301 die aufgebaute Relevanz der alten URL auf die neue. Genau das brauchen Sie beim Relaunch.

Wie lange dauert die Erholung nach einem Relaunch?

Kleinere Schwankungen in den ersten zwei bis vier Wochen sind normal, während Google die neue Struktur neu erfasst. Bei sauberer Umsetzung pendeln sich die Rankings danach wieder ein. Wer nach mehreren Wochen dauerhaft abrutscht, hat meist ein Weiterleitungs- oder Inhaltsproblem.

Muss ich die Sitemap nach dem Relaunch neu einreichen?

Ja. Reichen Sie nach dem Go-Live die aktualisierte XML-Sitemap in der Google Search Console ein. So findet Google die neuen URLs schneller und Sie sehen früh, ob beim Indexieren etwas hakt.

Sollte ich den Relaunch und einen Domainwechsel zusammen machen?

Wenn es sich vermeiden lässt, nein. Jede Änderung an URLs, Inhalt oder Domain ist ein Risikofaktor. Wer Design, Struktur und Domain gleichzeitig umstellt, kann bei einem späteren Einbruch kaum sagen, woran es lag. Ich trenne solche Schritte, wo immer es geht.

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