WooCommerce oder Shopify für Schweizer Shops?

Ehrlicher Vergleich aus Schweizer KMU-Sicht: bexio-Anbindung, TWINT, QR-Rechnung, Datenstandort, Kosten und wann welches System die bessere Wahl ist.

8.1 %Schweizer MWST, direkt an bexio übergeben
ab CHF 6'500Shop-Aufbau inkl. bexio-Anbindung
seit Juni 2025TWINT bei Shopify nativ eingebaut

Ich baue Online-Shops mit WooCommerce. Trotzdem rate ich nicht jedem dazu. Es gibt Fälle, in denen Shopify für einen Betrieb die ruhigere und am Ende günstigere Wahl ist. Damit Sie selbst einschätzen können, was zu Ihnen passt, vergleiche ich die beiden hier ehrlich, aus Sicht eines kleinen Schweizer Betriebs.

WooCommerce oder Shopify, was passt für einen Schweizer Shop?

Beides funktioniert. Shopify lohnt sich, wenn Sie schnell und ohne Technik starten wollen und keine enge Buchhaltungs-Anbindung brauchen. WooCommerce lohnt sich, wenn der Shop sauber mit bexio verzahnt sein soll, Sie volle Kontrolle und eigenes Design wollen oder schon eine WordPress-Website betreiben. Die Buchhaltung ist meist der ausschlaggebende Punkt.

Was ist der Kern des Unterschieds?

Shopify ist ein Mietsystem. Sie zahlen jeden Monat eine Gebühr, und dafür kümmert sich Shopify um Server, Updates, Sicherheit und Verfügbarkeit. Sie loggen sich ein und verkaufen. Das ist bequem, und genau darum geht es.

WooCommerce ist eine Erweiterung für WordPress, also ein Zusatz-Plugin, das aus einer normalen WordPress-Website einen Shop macht. Der Shop läuft auf Ihrem eigenen Hosting, die Software gehört Ihnen, und Sie (oder ich) bestimmen, was darauf passiert. Mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung. Jemand muss sich um Updates und Betrieb kümmern.

Das ist der eigentliche Gegensatz: gemietete Bequemlichkeit gegen eigene Kontrolle. Fast alle weiteren Unterschiede leiten sich davon ab.

Vergleich auf einen Blick

Die Tabelle zeigt die Punkte, die für einen Schweizer Betrieb wirklich zählen.

KriteriumWooCommerceShopify
bexio-AnbindungDirekt, Bestellung wird automatisch zur RechnungNur über Drittanbieter-Dienst mit eigener Monatsgebühr
TWINTÜber Schweizer PSP (Datatrans, Saferpay, Payrexx, PostFinance)Nativ eingebaut seit Juni 2025
QR-RechnungSauber abbildbar, oft über bexio oder PSPNur über App oder Workaround
DatenstandortHosting frei wählbar, bei mir Server in der EUServer des Anbieters, grösstenteils ausserhalb CH und EU
MWST 8.1%Korrekt, inkl. Übergabe an bexioKorrekt im Shop, Buchhaltung extra
Laufende KostenHosting ab CHF 19 + Wartung ab CHF 90 / MonatMiete ab rund 29 US-Dollar / Monat, plus Apps und Gebühren
Verantwortung BetriebSie oder ich (Wartung nötig)Shopify übernimmt Server und Updates

PSP steht für Payment Service Provider, also den Zahlungsdienstleister, der Kreditkarte, TWINT und Co. abwickelt.

Was kostet das eine gegenüber dem anderen?

Bei Shopify zahlen Sie laufend. Der Basistarif liegt aktuell bei rund 29 US-Dollar pro Monat, realistisch landen die meisten Betriebe mit Theme, ein paar Apps und Transaktionsgebühren spürbar höher. Wer nicht Shopify Payments nutzt, zahlt zusätzlich pro Verkauf.

Bei WooCommerce ist die Software selbst kostenlos. Sie investieren einmalig in den Aufbau, dann laufen Hosting (ab CHF 19) und Wartung (ab CHF 90 im Monat), dazu je nach Bedarf einzelne kostenpflichtige Erweiterungen. Den Shop-Aufbau samt bexio-Anbindung budgetiere ich ab CHF 6’500, je nach Sortiment und Funktionen.

Grob gerechnet: Wer einen Shop einfach starten und sich um nichts kümmern will, fährt mit Shopify am Anfang günstig. Wer einen massgeschneiderten Shop braucht und ihn über Jahre betreibt, fährt mit WooCommerce auf Dauer oft besser, weil die monatlichen Mietgebühren wegfallen. Was ein Schweizer Online-Shop insgesamt kostet, habe ich in diesem Beitrag im Detail aufgeschlüsselt.

Wie läuft die Anbindung an die Schweizer Buchhaltung?

Hier wird es für Schweizer Betriebe interessant. Sehr viele KMU buchen mit bexio. Und genau an dieser Stelle spielt WooCommerce seine Stärke aus.

Weil ich bei WooCommerce direkten Zugriff auf das System habe, lässt sich der Shop sauber an die bexio-Schnittstelle hängen: Eine Bestellung wird automatisch zur Rechnung, mit korrekter Schweizer Mehrwertsteuer von 8.1%, der Kunde landet im Kontaktstamm, der Zahlungsstatus stimmt. Niemand tippt Bestellungen ein zweites Mal ab. Wie das konkret funktioniert, habe ich auf der Seite zu WooCommerce und bexio und im Beitrag WooCommerce mit bexio verbinden ausführlich beschrieben.

Bei Shopify geht eine bexio-Anbindung grundsätzlich auch, meist über einen Drittanbieter-Dienst, der zwischen den beiden vermittelt. Das funktioniert, kostet aber wieder eine eigene monatliche Gebühr und Sie sind von einem weiteren Anbieter abhängig. Diese Verbindung lässt sich weniger genau steuern, weil Sie keinen direkten Zugriff auf das System haben.

Wenn Buchhaltung und Shop für Sie eng zusammenhängen sollen, ist das für mich das stärkste Argument für WooCommerce.

Welches System ist besser bei TWINT und QR-Rechnung?

Schweizer Kundschaft erwartet TWINT. Beide Systeme bekommen das hin, aber auf unterschiedlichem Weg.

Shopify hat TWINT seit Juni 2025 nativ eingebaut. Sie aktivieren es in den Zahlungseinstellungen, ohne separaten Dienst dazwischen. Das ist der bequemere Weg.

Bei WooCommerce binde ich TWINT über einen Schweizer Zahlungsdienstleister an, etwa Datatrans, Saferpay, Payrexx oder PostFinance. Über denselben Anbieter laufen dann auch Kreditkarte und weitere Zahlarten. Der Vorteil: Ich habe die freie Wahl und kann Kreditkarte, TWINT, Rechnung oder Vorkasse genau so kombinieren, wie es zu Ihrem Geschäft passt. Auch die QR-Rechnung lässt sich bei WooCommerce sauber abbilden, meist über bexio oder den Zahlungsdienstleister, was für B2B-Bestellungen oft zählt. Bei Shopify ist die QR-Rechnung nur über eine App oder einen Umweg möglich.

Wo liegen meine Daten, und wie abhängig bin ich?

Ein Punkt, der gerade in der Schweiz zunehmend zählt. Bei Shopify liegen Ihre Kunden- und Bestelldaten auf den Servern des Anbieters, grösstenteils ausserhalb der Schweiz und der EU. Das ist mit dem revidierten Datenschutzgesetz (revDSG, in Kraft seit 1. September 2023) vereinbar, wenn man es sauber im Datenschutzhinweis deklariert, aber Sie geben einen Teil der Kontrolle ab. Das revDSG verlangt übrigens keinen Cookie-Consent-Banner wie die EU, nur eine Informationspflicht.

Bei WooCommerce wähle ich das Hosting, in meinem Fall Server in der EU mit täglichen Backups. Die Daten gehören Ihnen, die Software gehört Ihnen, und niemand kann Ihnen von heute auf morgen die Konditionen ändern oder ein Konto sperren. Diese Unabhängigkeit ist echt, sie hat aber ihren Preis: Jemand muss den Shop pflegen und aktuell halten. Genau das übernehme ich mit der Wartung.

Welches System passt zu welchem Betrieb?

Statt Glaubensfrage hilft eine kurze Checkliste. Drei Kriterien geben meist den Ausschlag.

Nach Produktzahl. Bis ein paar Dutzend Produkte spielt das System kaum eine Rolle, beide kommen damit problemlos klar. Ab mehreren Hundert oder Tausend Artikeln mit eigenen Kategorien, Varianten und Filtern wird WooCommerce flexibler, weil ich das Datenmodell anpassen kann.

Nach Sprachen. Brauchen Sie den Shop zwei- oder dreisprachig (Deutsch, Französisch, Italienisch), ist das bei WooCommerce über etablierte Erweiterungen sauber lösbar. Bei Shopify geht Mehrsprachigkeit ebenfalls, ist aber je nach Tarif eingeschränkter.

Nach vorhandenem WordPress. Betreiben Sie schon eine WordPress-Website, spricht viel für WooCommerce. Sie bauen den Shop auf der bestehenden Basis auf, verwalten alles in einem System und sparen die getrennte Shopify-Miete. Ob WordPress oder eine massgeschneiderte Lösung grundsätzlich besser passt, ist eine eigene Frage.

Wenn keiner dieser Punkte auf Sie zutrifft und Sie vor allem schnell und sorglos starten wollen, ist Shopify die ehrlichere Empfehlung.

Aus der Praxis: Sanigroup

Bei Sanigroup ging es um ein Sortiment mit über 6’000 Artikeln und um den Wunsch, dass Shop und Buchhaltung zusammenlaufen, statt dass das Team in zwei Programmen doppelt tippt. Wir haben WooCommerce mit bexio verbunden. Bei dieser Grösse und mit dieser Anbindung wäre Shopify umständlicher und auf Dauer teurer gewesen. Das war kein Glaubensentscheid, sondern ergab sich aus den Anforderungen.

Wann ich ehrlich zu Shopify rate

Es gibt sie, die Fälle, in denen ich von WooCommerce abrate. Wenn Sie schnell und unkompliziert starten wollen, kein Interesse an Technik haben, niemanden für den Betrieb beauftragen möchten und vor allem ohne grosse Buchhaltungs-Anbindung verkaufen, dann ist Shopify die ruhigere Wahl. Sie zahlen die Miete und müssen sich um nichts kümmern. Das hat seinen Wert.

WooCommerce passt dann, wenn Ihnen die Anbindung an bexio wichtig ist, wenn Sie ein eigenes Design und volle Kontrolle wollen, wenn das Sortiment grösser oder besonders ist, oder wenn Sie die laufenden Mietgebühren über die Jahre nicht zahlen möchten und stattdessen jemanden haben, der den Shop betreut.

Fazit

Es gibt keine pauschal richtige Antwort, nur eine richtige für Ihren Betrieb. Shopify ist die bequeme Mietlösung für den schnellen, einfachen Start. WooCommerce ist die eigene, anpassbare Lösung, besonders stark, wenn der Shop eng mit der Schweizer Buchhaltung verzahnt sein soll.

Wenn Sie unsicher sind, was zu Ihnen passt: Schreiben Sie mir kurz, was Sie verkaufen, wie viele Bestellungen Sie erwarten und ob Sie mit bexio arbeiten. Dann sage ich Ihnen ehrlich, welches der beiden Systeme das passendere ist, auch wenn die Antwort Shopify lautet. Mehr zur Verzahnung von Shop und Buchhaltung steht auf der Seite zu WooCommerce und bexio. Ich antworte innert einem Werktag (Mo-Fr).

Häufige Fragen

Was ist günstiger, WooCommerce oder Shopify?

Am Anfang Shopify, weil keine Aufbaukosten anfallen, nur die Monatsmiete ab rund 29 US-Dollar. Über mehrere Jahre fährt WooCommerce oft günstiger, weil die Miete wegfällt. Bei mir kostet der Betrieb Hosting ab CHF 19 und Wartung ab CHF 90 im Monat, der Shop-Aufbau ab CHF 6'500.

Kann ich WooCommerce mit bexio verbinden?

Ja, direkt. Eine Bestellung wird automatisch zur bexio-Rechnung mit korrekter Schweizer MWST von 8.1%, der Kunde landet im Kontaktstamm. Bei Shopify geht das auch, aber nur über einen Drittanbieter-Dienst mit eigener Monatsgebühr. Wenn Buchhaltung und Shop zusammenlaufen sollen, ist das mein stärkstes Argument für WooCommerce.

Unterstützen beide Systeme TWINT?

Ja. Shopify hat TWINT seit Juni 2025 nativ eingebaut, ohne Zusatzdienst. Bei WooCommerce binde ich TWINT über einen Schweizer Zahlungsdienstleister wie Datatrans, Saferpay, Payrexx oder PostFinance an. Beide Wege funktionieren, der Shopify-Weg ist etwas direkter, der WooCommerce-Weg flexibler bei der Kombination der Zahlarten.

Wo liegen meine Kundendaten bei Shopify und WooCommerce?

Bei Shopify auf den Servern des Anbieters, grösstenteils ausserhalb der Schweiz und EU. Das ist mit dem revDSG vereinbar, wenn man es im Datenschutzhinweis deklariert. Bei WooCommerce wähle ich das Hosting selbst, in meinem Fall Server in der EU mit täglichen Backups. Die Daten gehören Ihnen.

Ich habe schon eine WordPress-Website. Was passt dann?

Dann spricht viel für WooCommerce, weil es eine Erweiterung für WordPress ist und auf derselben Basis läuft. Sie verwalten Website und Shop in einem System, brauchen kein zweites Login und zahlen keine getrennte Shopify-Miete. Bei einem reinen Shop ohne bestehende Website ist die Wahl offener.

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