Die Lehrstellenseite für einen Handwerksbetrieb, Abschnitt für Abschnitt
Eine Musterstruktur zum Abschreiben: sieben Abschnitte für die Lehrstellenseite einer Schreinerei oder eines Gartenbaubetriebs, mit Beispielsätzen und dem Fall, in dem Sie die Seite nicht brauchen.
Die sieben Abschnitte
Hier ist die ganze Struktur, bevor ich irgendetwas begründe. Wer sie abschreibt und mit den eigenen Angaben füllt, hat eine brauchbare Lehrstellenseite.
- Lohn und Zahlen. Lehrlingslohn pro Lehrjahr, Ferientage, Arbeitszeit.
- Der Arbeitstag. Was ein Lernender im ersten Jahr wirklich macht, drei bis fünf Zeilen.
- Wer ausbildet. Name, Foto, seit wann im Betrieb, wie viele Lernende bisher.
- Was aus den Ehemaligen wurde. Zwei bis drei Zeilen pro Person.
- Wie man sich bewirbt. Eine Person, eine Adresse, was mitzuschicken ist, bis wann, und innert welcher Frist Sie antworten.
- Schnuppern. Konkret buchbar statt auf Anfrage.
- Was Sie nicht versprechen. Zum Beispiel keine Übernahme nach der Lehre.
Eine Unterseite, sieben Überschriften, keine Bildergalerie. Den Rest dieses Artikels brauchen Sie nur, wenn Sie wissen wollen, warum die Abschnitte so aussehen und welche Sätze hineingehören.
Was diese Seite nicht leistet
Von den Lehrstellen, die Schweizer Betriebe für den Sommer 2025 angeboten haben, waren im August 87 Prozent besetzt, das sind 75’839 von hochgerechnet 87’342. Unbesetzt blieben 11’503, also 13 Prozent der angebotenen Stellen. Im Baugewerbe blieb jede vierte Lehrstelle offen, in der Land- und Forstwirtschaft 20 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe 18 Prozent, im Handel 15 Prozent. Die Zahlen stammen aus dem Nahtstellenbarometer vom August 2025, den gfs.bern im Auftrag des Bundes erhebt.
Die Betriebe mit offenen Lehrstellen nennen dafür zwei Gründe, und beide haben wenig mit der Website zu tun: 56 Prozent sagen, sie hätten nur ungeeignete Bewerbungen erhalten, 53 Prozent gar keine. Kurzfristige Absagen nennen 12 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich auf Betriebe mit offenen Lehrstellen. Über alle Ausbildungsbetriebe gerechnet erhalten laut demselben Bericht höchstens 12 Prozent gar keine Bewerbungen; von einem generellen Bewerbermangel kann also kaum die Rede sein. Und mangelnde Bekanntheit des eigenen Unternehmens wird dort nur vereinzelt und selbstkritisch als Grund genannt.
Ich könnte Ihnen jetzt erzählen, Ihre Lehrstelle bleibe leer, weil Sie im Netz zu wenig sichtbar sind. Das steht so nicht in den Zahlen, und ich würde Ihnen damit etwas verkaufen, das Ihr Problem nicht löst.
Gesucht wird zuerst woanders. Jugendliche finden ihre Lehrstelle laut demselben Bericht vor allem über persönliche Kontakte. Danach folgen Stellensuchmaschinen und die Websites der Unternehmen selbst, die im Barometer etwa gleichauf liegen; die Firmenwebsites nennt rund ein Viertel, bei Mehrfachantworten, und sie haben gegenüber den Vorjahren an Bedeutung verloren. Dahinter kommt der Lehrstellennachweis LENA der Kantone, von dem der Bericht als einzigem Kanal sagt, seine Nutzung habe namhaft zugenommen. Dazu kommen Portale wie yousty.ch, das sich selbst als grösstes Berufsbildungsportal der Schweiz bezeichnet, und gateway.one.
Die Reihenfolge ist also: Inserat auf dem Portal, dann Firmenname eintippen, dann Ihre Seite. Genau an dieser Stelle wird entschieden, ob sich jemand bewirbt oder weiterklickt. Und die Eltern reden mit: 86 Prozent der Jugendlichen holen sich laut demselben Bericht bei Ausbildungsentscheidungen Rat bei den Eltern, deutlich vor Lehrpersonen mit rund der Hälfte und dem Freundeskreis mit 42 Prozent.
Baustein 1: Lohn und Zahlen
Der Lohn steht zuoberst, weil er die erste Frage ist.
Was hineingehört: der Lehrlingslohn pro Lehrjahr, die Ferientage, die Wochenarbeitszeit und ob ein 13. Monatslohn dazukommt.
Beispielsatz Bei uns beträgt der Lohn im 1. Lehrjahr CHF ___, im 2. CHF ___, im 3. CHF ___ und im 4. CHF ___. Dazu kommen ___ Ferientage pro Jahr bei einer Wochenarbeitszeit von ___ Stunden.
Ein Punkt, der auf vielen Seiten falsch steht: Der Gesamtarbeitsvertrag für das Schreinergewerbe regelt die Lehrlingslöhne nicht. Er nimmt in seinem persönlichen Geltungsbereich die Lernenden im Sinne des Berufsbildungsgesetzes ausdrücklich aus und enthält dazu keine Lohnbestimmungen. Verbindlich ist der Lehrvertrag, als Orientierung dienen die Lohnempfehlungen Ihres Berufsverbands. Berufen Sie sich also nicht auf den Gesamtarbeitsvertrag, sondern schreiben Sie Ihre eigenen Zahlen hin.
Übernehmen Sie keine Musterzahlen, setzen Sie Ihre eigenen ein. Eine falsche Zahl auf der Website ist schlimmer als gar keine, weil sie im Bewerbungsgespräch auffliegt.
Baustein 2: Der Arbeitstag
Was hineingehört: eine Aufzählung von Tätigkeiten, drei bis fünf Zeilen, im ersten Lehrjahr beginnend. Keine Adjektive.
Beispielsatz Schreinerei Im 1. Lehrjahr sind Sie meist in der Werkstatt: Maschinen kennenlernen, zuschneiden, schleifen, verleimen, aufräumen. Ab dem 2. Jahr fahren Sie mit auf Montage. Arbeitsbeginn ist um ___ Uhr, Feierabend um ___ Uhr, am Freitag um ___ Uhr.
Beispielsatz Garten- und Landschaftsbau Im 1. Lehrjahr sind Sie fast immer draussen: pflanzen, jäten, Platten verlegen, Material laden, Maschinen reinigen. Im Winter kommen Schnitt, Unterhalt und Winterdienst dazu. Wir fahren um ___ Uhr los, Feierabend ist um ___ Uhr, am Freitag um ___ Uhr.
“Wir bieten eine abwechslungsreiche Ausbildung in einem motivierten Team” sagt nichts. Ein 15-Jähriger will wissen, ob er am Montagmorgen an der Kreissäge steht oder Bretter trägt. Beides ist eine ehrliche Antwort, und beide ziehen unterschiedliche Leute an. Das ist der Zweck: Sie wollen nicht viele Bewerbungen, Sie wollen passende. Wenn 56 Prozent der Betriebe mit offener Lehrstelle sagen, sie hätten nur ungeeignete Bewerbungen bekommen, dann ist ein nüchterner Arbeitstag-Abschnitt das billigste Mittel gegen genau dieses Problem.
Baustein 3: Wer ausbildet
Was hineingehört: Name, Foto, Funktion, seit wann im Betrieb, wie viele Lernende bereits ausgebildet wurden.
Beispielsatz Ausbildner ist ___, seit ___ bei uns. Er hat seit ___ insgesamt ___ Lernende durch die Lehre begleitet. Sie erreichen ihn direkt unter ___.
Drei praktische Punkte. Erstens: Wenn Sie die Ausbildnerqualifikation nennen wollen, schreiben Sie hin, was auf Ihrem eigenen Ausweis steht, und erfinden Sie keinen Titel dazu. Zweitens: ein Bild aus der eigenen Werkstatt schlägt jedes gekaufte Foto, auch wenn es mit dem Telefon aufgenommen ist. Drittens: Wenn Sie Mitarbeitende zeigen, holen Sie die Freigabe schriftlich ein, bevor das Bild online geht, und bei Minderjährigen zusätzlich bei den Eltern. Wie ich das im Projekt handhabe, steht in Fotofreigabe bei Kundenprojekten im Handwerk.
Baustein 4: Was aus den Ehemaligen wurde
Was hineingehört: zwei bis drei Zeilen pro Person, mit Einverständnis.
Beispielsatz ___ hat 2019 bei uns die Lehre als Schreiner EFZ abgeschlossen und arbeitet heute als Vorarbeiter bei ___ in ___. ___ hat 2021 abgeschlossen und macht jetzt die Weiterbildung zum Techniker HF Holztechnik.
Das ist der glaubwürdigste Teil der Seite, und zwar aus einem einfachen Grund: Alles andere schreiben Sie über sich selbst. Diesen Abschnitt können Sie nicht erfinden, ohne dass es auffällt, denn in einer Branche, in der man sich kennt, ruft irgendwann jemand nach. Und für die Eltern, die mitlesen, ist es die einzige Antwort auf ihre eigentliche Frage: Kommt mein Kind hier weiter?
Fragen Sie die Ehemaligen vorher. Ein Anruf genügt, aber er muss stattfinden. Wer nicht genannt werden will, kommt nicht auf die Seite.
Baustein 5: Wie man sich bewirbt
Das ist der Abschnitt, an dem es am häufigsten hängt. Auf den Betriebs-Websites, die ich mir für diesen Artikel angeschaut habe, stand dort meist eine Sammeladresse und sonst nichts.
Was hineingehört: eine Person mit Namen, eine Adresse, was mitzuschicken ist, bis wann, und innert welcher Frist Sie antworten.
Beispielsatz Schicken Sie Ihre Bewerbung an ___ (___@___.ch). Wir brauchen ein kurzes Schreiben, die letzten zwei Zeugnisse und, falls vorhanden, den Multicheck. Bewerbungsschluss für den Lehrbeginn im August 2027 ist der 30. November 2026. Wir melden uns innert zwei Wochen, auch bei einer Absage.
Der letzte Satz ist der wichtigste auf der ganzen Seite. Der Nahtstellenbarometer nennt als grösste Schwierigkeiten der Jugendlichen das Verfassen der Unterlagen, die Stellensuche und den Umgang mit Absagen. Eine zugesagte Antwortfrist kostet Sie nichts und hebt Sie von der Mehrheit ab. Sie müssen sie dann allerdings einhalten, sonst wirkt sie gegen Sie.
Baustein 6: Schnuppern
Fast niemand entscheidet sich ohne Schnupperlehre. Von den Jugendlichen, die im Sommer 2025 eine berufliche Grundbildung begonnen haben, hatten 78 Prozent mehrere Schnupperlehren gemacht und 19 Prozent eine, nur 3 Prozent gar keine. Die Schnupperlehre ist also nicht ein Nebenweg zur Lehrstelle, sie ist der Weg.
Trotzdem steht auf vielen Seiten “Schnuppern auf Anfrage”. Das ist eine Hürde, und sie trifft genau die zurückhaltenden Jugendlichen, die sonst gut zu einem Handwerksbetrieb passen würden.
Was hineingehört: die Dauer, konkrete Wochen mit Datum, eine Ansprechperson mit Telefonnummer, und innert welcher Frist Sie einen Termin geben.
Beispielsatz Schnuppern dauert bei uns ___ Tage. Wir haben Plätze in den Wochen ___ und ___ sowie in den Frühlingsferien. Melden Sie sich bei ___ unter ___ oder rufen Sie an: ___. Sie bekommen innert einer Woche einen Termin.
Im Garten- und Landschaftsbau verschiebt sich hier nur die Jahreszeit: Nennen Sie die Wochen, in denen wirklich draussen gearbeitet wird, und schreiben Sie dazu, ob geschnuppert wird, wenn es regnet.
Ein konkreter Termin statt einer Einladung zum Nachfragen ist der ganze Punkt dieses Abschnitts. Wer eine Woche mit Datum hinschreibt, bekommt Anmeldungen; wer auf Anfrage schreibt, bekommt Stille.
Baustein 7: Was Sie nicht versprechen
Was hineingehört: was Sie nicht garantieren können, in klaren Worten.
Beispielsatz Eine Übernahme nach der Lehre können wir nicht garantieren. In den letzten ___ Jahren haben wir ___ von ___ Lernenden weiterbeschäftigt. Wenn es bei uns nicht weitergeht, helfen wir bei der Suche und schreiben ein Zeugnis, mit dem man weiterkommt.
Ein Abschnitt, der etwas einräumt, macht den Rest der Seite glaubwürdig. Eltern haben ein feines Gehör für Sätze, die zu gut klingen, und ein 15-Jähriger merkt schnell, wenn eine Seite ihm etwas verkaufen will. Dasselbe gilt für den Rest der Wahrheit: dass Sie im Sommer um sechs Uhr losfahren, dass es auf der Baustelle im Winter kalt ist, dass die Wochen in der Hochsaison lang sind. Wer das hinschreibt, bekommt weniger Bewerbungen und bessere.
Ich halte es auf meiner eigenen Website gleich. Wenn sich eine Leistung für jemanden nicht lohnt, schreibe ich das hin, auch wenn ich sie verkaufe.
Wann Sie diese Seite nicht brauchen
Wenn Sie in den nächsten zwei Jahren keine Lehrstelle ausschreiben oder gar kein anerkannter Lehrbetrieb sind, brauchen Sie keine eigene Lehrstellenseite. Dann genügt ein Absatz auf der Team-Seite.
Beispielsatz Wir bilden zurzeit nicht aus. Sobald sich das ändert, steht es hier.
Das ist keine Notlösung, sondern die bessere Variante. Eine Lehrstellenseite, auf der seit drei Jahren ein Lehrbeginn von damals steht, ist das Erste, was jemand sieht, der Ihren Firmennamen eintippt. Sie sagt: hier kümmert sich niemand. Diesen Eindruck können Sie sich sparen, indem Sie die Seite gar nicht erst anlegen.
Umsetzung in vier Zeilen
- Eine eigene Unterseite anlegen, nicht einen Abschnitt auf der Startseite. Sie brauchen eine Adresse, die man weitergeben kann.
- Aus dem Menü verlinken, unter Team oder Über uns. Nicht nur im Fussbereich.
- Die Adresse überall hinschreiben: in jedes Inserat, auf LENA, ins Portalprofil, in die E-Mail-Signatur und auf den Zettel am Stand der Berufsmesse.
- Einmal im Jahr aktualisieren, am besten im Herbst, wenn Sie ohnehin ausschreiben. Ein Termin im Kalender genügt.
Was ich Ihnen nicht sage: dass diese Seite Sie bei Google nach vorne bringt oder dass danach die Bewerbungen hereinkommen. Das weiss ich nicht, und die Zahlen oben geben es nicht her. Was ich sagen kann: Diese sieben Fragen werden gestellt, und auf den Betriebs-Websites, die ich mir angeschaut habe, blieben sie meist unbeantwortet.
Wenn Sie die Abschnitte selbst schreiben, ist der Text an einem Abend fertig und kostet Sie nichts. Wenn Sie mögen, baue ich die Seite in ein bestehendes Projekt ein; wie ich eine Website für eine Schreinerei aufbaue, steht auf Website für Schreinereien und allgemeiner auf Webdesign. Was Kunden in Ihrer Branche sonst noch googeln, habe ich in Was Kunden bei Schreinern googeln zusammengetragen, und den grösseren Rahmen einer Firmenseite in Geschäftswebsite in der Schweiz. Was das Ganze kostet, steht in Was kostet eine Website in der Schweiz.
Schreiben Sie mir über Kontakt, wenn Sie unsicher sind, ob sich die Seite bei Ihnen lohnt. Ich antworte innert einem Werktag (Mo bis Fr).
Häufige Fragen
Was kostet eine solche Unterseite?
In einem neuen Website-Projekt ist sie Teil des Umfangs, und das beginnt bei CHF 3'500. Auf einer bestehenden Seite sind es ein paar Stunden Arbeit; das läuft über ein Stundenpaket, das kleinste umfasst 5 Stunden für CHF 800, eine Einzelstunde kostet CHF 180. Den Text schreiben Sie günstiger selbst.
Brauchen wir Fotos von Lernenden?
Nötig sind sie nicht, aber sie helfen, weil ein echtes Bild aus Ihrer Werkstatt mehr sagt als ein gekauftes Foto. Wenn Sie Personen zeigen, holen Sie die Freigabe schriftlich ein, bevor das Bild online geht, bei Minderjährigen zusätzlich bei den Eltern. Wichtiger als Menschen auf dem Bild ist ohnehin der Arbeitsplatz: Maschine, Werkbank, Baustelle.
Bringt uns diese Seite Bewerbungen?
Das kann ich Ihnen nicht versprechen. Der Nahtstellenbarometer vom August 2025 nennt als häufigste Gründe für unbesetzte Lehrstellen ungeeignete Bewerbungen (56 Prozent) und ausbleibende Bewerbungen (53 Prozent), nicht mangelnde Sichtbarkeit. Was die Seite leistet: Sie beantwortet die Fragen, die nach dem Inserat kommen, und sie sortiert Unpassende vorher aus.
Wie oft müssen wir die Seite aktualisieren?
Einmal im Jahr, am besten im Herbst, wenn Sie ohnehin ausschreiben. Angepasst gehören das Lehrjahr, der Bewerbungsschluss, die Lohnzahlen und die Liste der Ehemaligen. Eine Seite, auf der noch der Lehrbeginn von vorletztem Jahr steht, schadet mehr, als sie nützt.
Wir bilden Gärtner aus, nicht Schreiner. Gilt das trotzdem?
Ja. Die sieben Abschnitte sind dieselben, nur die Inhalte wechseln: die Lohnempfehlungen Ihres Verbands, der Arbeitstag im Garten- und Landschaftsbau statt in der Werkstatt, die Saison statt der Montagewoche. Auch die Ausgangslage ähnelt sich, im Garten- und Landschaftsbau ging die Zahl neuer Lehrverträge EFZ laut den [Kennzahlen von JardinSuisse](https://2025.jardinsuisse.ch/de/verband/kennzahlen) von 784 im Jahr 2023 auf 763 im Jahr 2024 zurück.
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